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Sammlertrends bei Briefmarken

Mal nur Mode, mal Dauerbrenner

aus BMS 12/2010

Mag die Philatelie in ihrer über 150-jährigen Geschichte eine Reihe von Grundstrukturen entwickelt und weitgehend beibehalten haben, so gibt es daneben doch Sammlertrends, die teils lang-, teils aber kurzlebig waren und sind. Wie robust sich derlei Strömungen erweisen, ist oft schwer vorauszusehen.

Viererblocks

So hatte die Redaktion vor Jahren angenommen, die Jagd nach waagerechten Paaren, Viererblocks und sonstigen Einheiten einer Reihe von Nachkriegsdauerserien sei nur eine vorübergehende Modewelle, mit deren Hilfe den Sammlern das Geld aus der Tasche gezogen wird und die dann ebenso schnell wieder abebbt wie sie gekommen ist. Diese Prognose war falsch. Das Gebiet hat sich als robust erwiesen, mögen einige Preisauswüchse inzwischen auch abgeklungen sein.

Dies wundert angesichts der Tatsache, dass Viererblocks, anders als in einigen anderen Ländern, in Deutschland nie sonderlich gesucht waren und bei den meisten Ausgaben kaum mehr als den vierfachen Betrag einer Einzelmarke erbrachten. Bei Sondermarken ist das auch weitgehend so geblieben. Begehrt sind dagegen Eckrandstücke, vor allem in gestempelter Erhaltung; ebenso Randstücke mit besonderen Merkmalen, insbesondere bei Dauerserien, etwa Platten- und Walzendruck, Plattennummern, Formnummern, Drucker- und Druckereizeichen, Druckvermerken oder Hausauftragsnummern.

Marken auf Brief

Marken auf Brief, speziell portogerechte Einfach- und Mehrfachfrankaturen, sind längst ein Dauerbrenner. Selbst bei recht billigen Marken schlägt die Erhaltung auf Brief zu Buche, wobei die jeweilige Sendungsart und die Destination maßgebliche Bewertungsfaktoren bilden. Dafür nur ein Beispiel aus jüngster Zeit: Bund MiNr. 197, Paul Ehrlich und Emil von Behring, Mehrfachfrankatur (waagerechter Sechserstreifen) auf Luftpostbrief nach Österreich - 40,49 Euro. Es kommt also sehr auf die jeweilige Versendungsart an. Zwei dieser Marken auf einem Inlandsbrief sind deutlich billiger.

Besonders begehrt sind Einzel- und Mischfrankaturen der sogenannten Blauwerte aus der Frühzeit der Gebiete Bund und Berlin, also die für Auslandsbriefe der ersten Gewichtsstufe bestimmten Marken zu 30 und später zu 40 Pfennig.

Briefmarken mit klarem Vollstempel

Briefmarken mit klarem Vollstempeln erbringen immer wieder erstaunliche Preise. Der Trend zu hoher und höchster Qualität ist unübersehbar. Der kleine Eckstempel, der einst bevorzugt wurde, weil er das Markenmotiv nicht beeinträchtigt, verlor dagegen drastisch an Beliebtheit. Mit seinen Preisvorstellungen kann man aber auch über das Ziel hinausschießen: Wenn etwa ein Händler für eine gebrauchte Berlin 3 DM Bauten I (MiNr. 59), für die der Michel stolze 20 Euro ansetzt, 320 Euro fordert, weil die Marke noch die volle Originalgummierung hat und einen glasklaren Berliner Vollstempel aufweist, ist der Boden der Realität wohl endgültig verlassen. Es ist schwer vorstellbar, dass jemand bereit ist, diesen Betrag auch nur annähernd zu bewilligen.

Plattenfehler

Plattenfehler sind im Michel-Deutschland-Spezial oft überbewertet, erbringen aber vor allem bei selteneren Marken und bei einem Auftreten in einer Teilauflage gleichwohl stattliche Verkaufsresultate. Recht bescheiden ist das Interesse allerdings an den zahlreichen Plattenfehlern auf Marken aus jüngerer Zeit mit ihren oft hohen Auflagen. Hier liegen die Katalogansätze weit hinter dem Horizont der Realität.

Bei den OPD-Ausgaben der Sowjetischen Zone, den SBZ-Ausgaben und den Ausgaben der DDR bewirkt der Trend zur Spezialisierung erstaunliche Auktionsergebnisse. Es ist nicht selten, dass 50 Prozent des Katalogpreises und mehr erzielt werden. Das steht im krassen Gegensatz zu den eher bescheidenen Marktverhältnissen für gängige SBZ- und DDR-Ware.

Deutsche Standardware

Auch Standardware von Bund und Berlin findet kaum Interesse. Die Lagerbücher des Handels sind voll. Die nicht mehr postgültigen DM-Marken ab etwa 1960 werden geradezu verschleudert. Wer dafür 5 Prozent des Katalogwertes erzielt, kann sich glücklich schätzen. Ähnlich steht es mit DDR-Marken ab 1960 bis 1990. Oft liegt der Erlös deutlich unter dem Neupreis des Albums.

Nur Vergangenheit

Mancher Philatelist ist der oft beklagten Neuheitenflut überdrüssig und schließt die Sammlung ab. Er kümmert sich dann nur noch um die in der Vergangenheit erschienenen Wertzeichen.

Kartonphilatelie

Mit fast sämtlichen Produkten der Kartonphilatelie und den einst teuer bezahlten Jahrbüchern, Jahressammlungen und Atelier-Editionen, lässt sich kaum noch ein Sammler hinter dem Ofen hervorlocken. Die Katalogpreise haben mit der Realität nichts mehr gemein. So erbrachte etwa die Jahreszusammenstellung Bund 1978 5,12 Euro, die Zusammenstellung der Deutschen Post der DDR 1990 10,50 Euro. Die Preise stammen vom Internet-Auktionshaus eBay.

Risikoabschläge

aus BMS 1/2011

Wenn fälschungsgefährdete Marken nicht geprüft sind, kalkuliert ein Interessent entsprechend vorsichtiger und vermindert sein Risiko durch ein geringeres Gebot. Das zeigt sich deutlich bei Auktionen, etwa bei eBay, wenn die gleiche Marke sowohl geprüft als auch ungeprüft angeboten wird. Es gilt speziell für gestempelte Marken, da die Möglichkeit eines falschen oder verfälschten Stempels (etwa Rückdatierung) hoch ist.

Es lohnt sich deshalb, die oft hohen Prüfkosten zu investieren. Auch eine Neuprüfung kann angezeigt sein, wenn eine Altprüfung problematisch ist, etwa bei gestempelten Briefmarken Saar mit Prüfung Hoffmann oder generell bei Prüfungen Dr. Dub.

Unbeliebte Sammlerbriefe

aus BMS 2/2011

Ganzbriefe liegen im Trend. Die Sammelgewohnheiten haben sich aber im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Der Sammler bevorzugt heute portogenaue Einzel- und Mehrfachfrankaturen, während Mischfrankaturen und vor allem Sammlerbriefe, etwa überfrankierte Satzbriefe, weniger beliebt sind.

Da sich manche Portostufe nur mit Auslieferungen von Sammlern belegen lässt, die hier nun einmal besonders kreativ sind und waren, sollte der Ganzbriefsammler seine Anforderungen nicht überspannen. Dem Philatelisten muss zugestanden werden, Bedarfspost aufzuliefern, mag er dabei auch sorgfältiger und mit mehr Ästhetik vorgehen und für eine besonders gute Entwertung sorgen.

Sind Ganzbriefe zu sehr gekünstelt und auf den ersten Blick als Kreation eines Sammlers erkennbar, werden sie auf dem Markt kaum mehr erbringen als Briefstücke der darauf verklebten Wertzeichen. Der Ganzbrief-Bonus geht dann verloren