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Niedrige Postgebühren in der DDR

Artikel aus BMS 3/2009 (Briefmarkenspiegel)

In der DDR gab es eine zweite Lohntüte. Sie bestand vor allem aus der staatlichen Subventionierung von Grundnahrungsmitteln, Mieten, Fahrpreisen und auch Postgebühren. Bis zum 1. Juli 1990, als in der DDR die DM (West) eingeführt wurde, hatte es kaum Tariferhöhungen gegeben.

Ab 1. Juli 1952 wurden die Postgebühren für Auslandssendungen vom 15. September 1947, also noch aus der Zeit der alliierten Besetzung, gesenkt. Postkarten kosteten fortan 20 statt 30, Briefe bis 20g 35 statt 50 Pfennig. Auch gingen die Luftpostaufschläge zurück. Am 1. November 1953 wurden diese Aufschläge erneut deutlich reduziert.

Am 1. Oktober 1954 sanken auf breiter Front die Inlandspostgebühren, die Gebühren für Drucksachen bis 50g auf 5 Pfennig (vorher bis 20g 6, bis 50g 8 Pfennig), für die Fernpostkarte von 12 auf 10, für den Ortsbrief von 16 auf 10, den fernbrief bis 20g von 24 auf 20 und für das Päckchen von 80 auf 70 Pfennig. Auch ermäßigten sich die Gebühren für Zusatzleistungen wie Einschreiben, Eilzustellung und Rückschein. Im Auslandsverkehr gingen die Gebühren für die besagten Zusatzleistungen ebenfalls zurück.

Weitere Portoermäßigungen folgten am 1. Oktober 1956 (im Inlandsverkehr, Eilzustellung, Rückschein, Wertgebühr, Luftpostaufschläge), am 1. Juli 1957 im Auslandsverkehr (Eilzustellung, Behandlungsgebühr bei Wertbriefen) und am 1. April 1959 (Luftpostaufschläge). Ab 1. September 1967 gab es das Ortspäckchen mit einem ermäßigten Porto von 40 statt 70 Pfennig.

Erst am 1. Juli 1971 gab es im grenzüberschreitenden Verkehr Portoerhöhungen. Fortan verteuerten sich Postkarten von 15 auf 25, Briefe bis 20g von 25 auf 35 Pfennig. Drucksachen kosteten statt 10 Pfennig (bei einem Gewicht bis 50g) nunmehr bis 20g 20, bis 50g 30 Pfennig. Zugleich wurde der Postverkehr in die Bundesrepublik einschließlich Berlin (West) Auslandsgebühren unterworfen, während die Deutsche Bundespost in umgekehrter Richtung weiterhin Inlandsporti erhob, zum Teil aber die Regelungen für Auslandssendungen anwendete (etwa Portostaffelung bei Päckchen nach mehreren gewichtsstufen, Möglichkeit von Zusatzleistungen wie Einschreiben, Eilzustellung und Rückschein auch bei gebührenermäßigten Sendungen, etwa Drucksachen). Trotz dieser Verteuerung überstiegen die Portosätze der Deutschen Bundspost als Folge von Gebührenanhebungen schon ein Jahr später wieder die DDR-Porti.

Dieses Portogefüge der Deutschen Post der DDR blieb bis zum 30. Juni 1990 konstant. Damals kostete ein Brief bis 20g in die DDR das Inlandsporto von 100 Pfennig, ein solcher Brief in umgekehrter Richtung weiterhin das Auslandsporto von 35 Pfennig. Mit der Einführung der DM (West) kam es zum Abbau der Portosubventionierung aus der DDR-Staatskasse. Die Tarife der DDR und ab 3. Oktober 1990, also nach der Wiedervereinigung, im Verkehrsgebiet Ost (VGO) wurden schrittweise auf eine kostendeckende, gesamtdeutsche Grundlage angehoben.

Wegen der geringeren Zahl von Portoänderungen in der DDR hat es der Granzbrief-Sammler, der die Portosätze dokumentieren will, leichter als beim Tarifsystem der Deutschen Bundespost, das vor allem in den jahren 1971 bis 1979 Portoanhebungen in recht kurzen Intervallen erlebte.

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