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Die Aktie des kleinen Mannes zeigt Zähne

Juwelen aus Papier: Das Wissen über Herkunft und Vorbesitzer seltener Briefmarken wird immer wichtiger.

Ein Artikel aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zum Thema: Briefmarke - Briefmarkenauktion - Registratur

Von Karl Louis (Briefmarkenprüfer des BPP) aus Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 20.2.2005 (Nr. 7)

Seltene Sammlerbriefmarken steigern ihren Wert mit dem Wissen über ihre Herkunft und Vorbesitzer. Je mehr berühmte Vorbesitzer einer philatelistischen Rarität bekannt sind, um so begehrter und wertvoller wird sie für Sammler. Damit folgt der Markt für Sammlerbriefmarken dem Kunstmarkt.

Die Schere der Preisentwicklung für Sammlerbriefmarken geht seit einigen Jahren auseinander. Klassische Raritäten schlagen bei der Wertentwicklung die modernen Standardausgaben um Längen. Insbesondere die Nachfrage nach exklusiven klassischen Briefmarken und insbesondere ihre ursprüngliche Verwendung auf Originalbriefen aus der Zeit zwischen 1840 und 1900 steigt stetig. Die seltenen Sammlerstücke der Klassik, von denen oft nur eine Handvoll die Jahrzehnte überlebt haben, erreichen inzwischen erstaunliche Preise. Auktionszuschläge von 50 000 oder 100 000 Euro sind nicht selten. Für manche dieser Juwelen aus Papier sind siebenstellige Beträge zu zahlen. Die Briefmarke als Aktie des kleinen Mannes hat sich zum Spitzeninvestment entwickelt.

Die Faszination der Briefmarke liegt für Sammler und Investoren jedoch weniger in der künstlerisch attraktiven Bildkomposition, die durch technisch vollendete Druckkunst im Miniaturformat auf gezähntes Papier gebracht wurde. Vielmehr schätzen Sammler die Briefmarke als historisches Dokument. Königreiche kamen und gingen, in den politischen Weltkarten wurden Landesgrenzen durch kriege verschoben, Städte wechselten die Staatshoheit und Bürger die Nationalität. Die Briefmarken blieben als historische Zeitzeugen souveräner Staaten zurück. Englands Königin Victoria bekräftigte im 19. Jahrhundert millionenfach auf Briefmarken den englischen Machtanspruch im Empire. Als Paris 1870/71 von preußischen Truppen eingeschlossen war, sicherte Ballonpost die Kommunikation mit dem übrigen Frankreich. In den erhalten gebliebenen klassischen Briefmarken bleiben die Geschichte der Welt und die Entwicklung der Kommunikationen seit 1840 lebendig. Die Briefmarkensammlung wird zum Geschichtsbuch.

Nachdem die erste Briefmarke der Welt, die englische "Black Penny", 1840 die Weltbühne betrat, dauerte es keine 25 Jahre, bis die ersten Sammler der Faszination der kunstvollen "Briefgebühren-Quittungen" erlagen. Vor allem der Adel und die Spitzen der Gesellschaft investierten große Geldbeträge in seltene Exemplare. Bereits zwischen 1880 und 1900 wechselten Kollektionen die Besitzer zu Preisen, mit denen man auch Herrenhäuser hätte erwerben können. Gleichzeitig suchten Millionen Menschen die wohl berühmteste aller Briefmarken, die "Blaue Mauritius" von der gleichnamigen Insel im Indischen Ozean. Von den im Ausgabejahr 1847 gedruckten fünfhundert Exemplaren wurden bis heute zwölf Stück in alten Handelskorrespondenzen, auf indischen Bazaren oder in Familienarchiven entdeckt. Die Provenienz jeder einzelnen "Blauen Mauritius" ist von ihrer Entdeckung bis in die heutige Zeit bekannt.

Für die adligen und vermögenden Sammler wie König Carol von Rumänien, König Edward VII. von England, König Faruk von Ägypten, Earl of Crawford, Philipe La Renotiere de Ferrary oder Faberge verband sich ihr Hobby mit dem angenehmen Nebeneffekt eines Kapitalinvestments. Die Raritäten, die ihren Weg zurück in den philatelistischen Markt fanden, sind durch ihre Provenienz "ex König Carol" oder "ex Palace Collection" (König Faruk) besonders wertvoll.

Die großen Sammlungen wechselten gegen Ende des 19. Jahrhunderts meist als ganzes den Besitzer. Über Sammlungsinhalte gibt es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keine Aufzeichnungen, Inventarisierungen oder Fotos. Das änderte sich mit dem Auftreten der Briefmarkenauktionen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die zum verkauf angebotenen Sammlungen wurden nicht mehr als Ganzes, sondern in einzelne Auktionslose separiert und die wertvollsten Briefmarken auf Fototafeln im Auktionskatalog abgebildet. Diese ersten Abbildungen bilden die Basis für die heutigen Registraturen seltener Marken und Briefverwendungen. Eine erste Registratur hatte der Berliner Briefmarkenhändler und Gründer der ersten Briefmarkenauktion in Deutschland, Heinrich Köhler, um 1920 begonnen. Die mit Schwerpunkt auf die Marken der Altdeutschen Staaten von 1849 bis 1871 spezialisierte "Köhler-Kartei" existiert heute in einem auf 50 000 Eintragungen gewachsenen Umfang bei dem gleichnamigen Briefmarken-Auktionshaus in Wiesbaden.

Seit etwa fünfzehn Jahren bekommt die strukturierte Registratur philatelistischer Spitzenstücke eine neue Bedeutung für den Markt. Ausgelöst wurde die Neubewertung durch die Versteigerung der John R. Boker jr. Briefmarkensammlung der "Altdeutschen Staaten" vom Auktionshaus Köhler. Mit einem gesamtzuschlagswert von umgerechnet mehr als dreißig Millionen Euro in den Jahren 1986 bis 1999 übertraf die Boker-Sammlung alle Erwartungen. Basierend auf der Köhler-Kartei, konnte der Versteigerer für fast alle Raritäten "philatelistische Stammbäume" oft bis in die frühen Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück nachweisen.

Durch den Erfolg der Broker-Altdeutschlandsammlung aufmerksam geworden, interessierten sich auch Sammler anderer Gebiete nach der Vorgeschichte und den Vorbesitzern ihrer hochwertigen Marken. Provenienz wird seitdem immer bedeutender in der Philatelie. In den Echtheits- und Qualitätsgutachten der philatelistischen Prüfer tauchen immer häufiger Hinweise zur Provenienz auf.

Der "Bund der philatelistischen Prüfer e.V." bestellt neue Experten erst, wenn der Bewerber den Aufbau einer Registratur für die seltenen Briefmarken seines Spezialgebiets vorweisen kann. Während die ersten Registraturen vor allem die Frage nach der existierenden Anzahl einer bestimmten Briefmarke, einer Verwendung auf Brief oder eines seltenen Stempels beantworten sollten, geht der Nutzen des registrierten Wissens heute weiter. Vor allem fragen der gefürchteten Manipulationen an Marken und Briefen können die Prüfer im Abgleich mit früheren Abbildungen oder Auktionsbeschreibungen beurteilen. So dokumentierte eine Veröffentlichung in "Fakes, Forgeries, Experts", dem Fachmagazin des internationalen philatelistischen Expertenverbandes, zahlreiche Qualitätsmanipulationen und Restaurierungen: Da wurden fehlende Zähne ergänzt, eine abgewaschene Gummierung auf der Rückseite ungestempelter Briefmarken durch Neuauftrag gefälscht oder beschädigte Briefmarken auf Originalbriefen gegen einwandfreie Stücke ausgetauscht. Der Nachweis solcher Manipulationen ist von Bedeutung: Defekte Marken erzielen nur etwa zehn Prozent des Werts einer vergleichbaren einwandfreien Briefmarke.

Anhand von Kartei-Registraturen lässt die Wertentwicklung einzelner Sammlerstücke nachzeichnen. Da bis zu 95 Prozent des Materials seit Jahrzehnten über Auktionen den Besitzer wechselt, ist die Preisentwicklung über die Ergebnislisten der Auktionen nachvollziehbar. Ein ungestempelter Viererblock der englischen "Black Penny" aus dem Jahr 1840 erzielte im November 2003 bei der Versteigerung der "Gaetano-Vullo-Sammlung" in London einen Zuschlag von mehr als 35 000 Pfund. Acht Jahre zuvor hatte Vullo das Stück noch für 13 800 Pfund bei der Versteigerung der Tes-Kollektion erwerben können. Gleichzeitig ist die Provenienz des Stücks hundert Jahre zurück verfolgbar: Entdeckt wurde es im Jahr 2005 als Teil eines fast vollständigen Schalterbogens von 175 Marken bei Renovierungsarbeiten im Hauptpostamt von Dublin. Der Schalterbogen gelangte in die Sammlung des Earl of Crawford und war 1906 auf der Internationalen Briefmarken-Ausstellung in Manchester die Sensation. Nach dem Tod des Earl of Crawford gelangte der Bogen über R.B. Sparrow zu dem Markenhändler Charles Nissen, der das Stück in kleinere Blockeinheiten aufteilte. Ein Blockstück mit 36 Marken veräußerte Nissen an den Baron Anthony de Worms. Nach dem Tod des Barons 1938 wurde das große Blockstück weiter vereinzelt. Der Viererblock wurde erstmals 1989 bei der Versteigerung der Wills-Kollektion in seiner heutigen Form registriert. Er gelangte dann über die Sammlung Tes 1995 schließlich zu Gaetano Vullo.

Die Registrierung seltener und wertvoller Marken und Briefe der verschiedenen philatelistischen Gebiete in Karteien schafft Markttransparenz in einem bislang relativ unübersichtlichen Markt. Mit der Kenntnis über Vorbesitzer erhalten Sammler eine zusätzliche Sicherheit über die Wertschätzung der Raritäten durch frühere Sammlergenerationen.

Dies war der Artikel -ich hoffe Sie haben auch wie ich was interessantes erfahren

Viel Spass mit unseren Seiten und Ihrem Hobby
wünscht Ihnen

Andreas Bartl

Artikel über Briefmarken